Checkliste & Anleitung: Richtig lagern – Druckstellen (Dekubitus) verhindern
Das Wundliegen (Dekubitus) ist eine der gefürchtetsten Komplikationen in der häuslichen Pflege. Es entsteht durch zu langen Druck auf dieselben Hautstellen. Die wichtigste Regel lautet: Druck entlasten, bevor es rötet. Mit diesen Techniken schützen Sie die Haut Ihres Angehörigen effektiv.
🛑 Die 3 goldenen Regeln der Lagerung
- Regelmäßigkeit: Lagern Sie Ihren Angehörigen spätestens alle 2 bis 4 Stunden um (je nach Hautzustand auch öfter).
- Hautkontrolle: Nutzen Sie jeden Lagerungswechsel für einen kurzen Blick auf die gefährdeten Stellen (Steißbein, Fersen, Hüfte).
- Schmerzfreiheit: Eine Lagerung darf niemals Schmerzen verursachen. Wenn Ihr Angehöriger jammert oder sichtlich unruhig wird, korrigieren Sie die Position.
🛌 Der Goldstandard: Die 30-Grad-Lagerung
Die 30-Grad-Lagerung entlastet das Steißbein und das Kreuzbein ideal, ohne die Hüfte (wie bei einer 90-Grad-Wäsche) zu stark zu belasten.
So gehen Sie vor:
- Vorbereitung: Legen Sie ein langes Lagerungskissen oder zwei bis drei normale Kopfkissen bereit.
- Positionieren: Drehen Sie Ihren Angehörigen sanft zur Seite (nutzen Sie die Spiralbewegung aus Lektion 2).
- Kissen platzieren: Schieben Sie das Kissen der Länge nach unter den Rücken und das Gesäß, sodass der Patient in einem flachen Winkel (ca. 30 Grad) darauf ruht.
- Kontrolle: Schieben Sie Ihre flache Hand unter das Steißbein. Wenn Sie dort keinen Druck mehr spüren und Luft zwischen Haut und Matratze ist, liegt der Patient perfekt.
👣 Fersen frei! (Die hängende Lagerung)
Fersen sind „Hochrisiko-Zonen“, da dort kaum Fettgewebe die Knochen schützt. Ein Dekubitus an der Ferse heilt extrem langsam.
So gehen Sie vor:
- Nehmen Sie ein flaches Kissen oder eine kleine Schaumstoffrolle.
- Platzieren Sie das Kissen unter die Waden (nicht unter die Fersen selbst!).
- Der Test: Die Fersen müssen in der Luft schweben. Führen Sie den „Papier-Test“ durch: Ein Blatt Papier muss mühelos unter der Ferse durchgezogen werden können, ohne steckenzubleiben.
🤏 Micro-Lagerung: Kleine Hilfe bei Schmerzen
Wenn Ihr Angehöriger eine große Umpositionierung ablehnt oder Schmerzen hat, hilft die Micro-Lagerung. Hierbei werden die Druckpunkte nur minimal verschoben:
- Schieben Sie ein gefaltetes Handtuch abwechselnd unter die linke oder rechte Beckenseite.
- Verändern Sie die Neigung des Kopfteils oder des Fußteils am Pflegebett um nur wenige Zentimeter.
- Legen Sie ein kleines Kissen unter einen Arm oder verändern Sie die Spreizung der Beine minimal.
- Wichtig: Auch kleine Veränderungen fördern die Durchblutung und geben dem Gewebe eine Pause.
⚠️ Was Sie unbedingt vermeiden sollten:
- Sitzringe: Nutzen Sie niemals aufblasbare Gummiringe! Diese unterbrechen die Durchblutung am Rand des Ringes und verursachen mehr Schaden als Nutzen.
- Harte 90-Grad-Seitenlage: Der Druck auf den großen Rollhügel (Hüftknochen) ist hierbei zu hoch. Nutzen Sie immer den flacheren 30-Grad-Winkel.
- Falten im Laken: Achten Sie darauf, dass das Bettlaken und die Kleidung keine Falten werfen. Eine Falte unter dem Gesäß wirkt bei unbeweglichen Menschen wie ein harter Stein.
Wann den Pflegedienst rufen?
Führen Sie bei jedem Lagerungswechsel den Fingertest (siehe BetterDocs-Artikel „Hautrötungen erkennen“) durch. Bleibt eine Rötung bestehen, informieren Sie umgehend Ihren Pflegedienst oder den Hausarzt.